CHANGLESKA WAKAN
THE POWER OF THE CIRCLE
„Alles, was ein Indianer tut, geschieht im Kreis, und das liegt daran, dass die Kraft der Welt immer in Kreisen wirkt und alles danach strebt, rund zu sein. Der Himmel ist rund, und ich habe gehört, dass die Erde rund ist wie ein Ball, ebenso wie all die Sterne.
Der Wind wirbelt in seiner größten Kraft, Vögel bauen ihre Nester in Kreisen, denn sie haben dieselbe Religion wie wir. Die Sonne geht auf und geht wieder unter in einem Kreis. Der Mond tut dasselbe, und beide sind rund.
Sogar die Jahreszeiten bilden einen großen Kreis in ihrem Wandel und kommen immer wieder dorthin zurück, wo sie waren. Das Leben eines Menschen ist ein Kreis von Kindheit zu Kindheit, und so ist es in allem, worin sich Kraft bewegt.
HEHAKA SAPA /Black Elk
WIR VERSTEHEN UNS BESSER WENN WIR MEHR
MITEINANDER REDEN ODER WENN WIR MEHR
HINHÖREN?
Seit Urzeiten kamen unsere Vorfahren, hier bei uns
in Europa und auch in Indigenen Kulturen dieser Erde,
in einem Kreis ums Feuer zusammen, um sich zu wärmen, auszutauschen, Kooperationen zu bilden und lebenswichtige Entscheidungen miteinander zu treffen.
Wenn wir versuchen Konflikte zu lösen, gibt es oft die Annahme, dass Konflikte schlecht sind oder dass sie irgendwann enden oder gelöst werden könnten. Beide Annahmen sind nicht wahr.
Konflikte sind ein natürliches und immer wiederkehrendes Phänomen in menschlichen Beziehungen und richtig betrachtet können sie Anstoß zu Wachstum und Veränderung sein.
Konflikte verändern die Art und Weise wie wir uns gegenseitig sehen, wie wir miteinander kommunizieren und wie wir uns miteinander organisieren.
Deswegen sollten wir uns in Konflikten das Ziel setzen nicht diese zu lösen, sondern diese als Werkzeug zur Transformation und Veränderung unserer Sichtweisen, Beziehungen und sozialen Strukturen verstehen und verwenden. Konflikte haben eine “Ursache - Wirkung” Natur. Es gibt viele Ursachen für Konflikte: Alte Wunden, Missverständnisse, schlechte Kommunikation, mangelnde Transparenz, unfaire oder ungleiche Behandlung, Mangel an nötigen Ressourcen etc. etc. Eine Möglichkeit ist es zu versuchen die Ursachen der Konflikte zu bereinigen.
Wenn gänzlich unterschiedliche Sichtweisen aufeinander prallen haben wir eine enorme Gelegenheit alte Denkweisen zu transzendieren und neue Perspektiven zu entwickeln.
Unsere Bereitschaft mitfühlend, kreativ und offen zu sein, ist was den Raum für Neues öffnet. Dieser neue Weg formt sich, dann wenn beide Seiten in der Lage sind die Nöte der anderen Seite wahrlich zu hören und anzuerkennen.
Wenn diese Nöte/Standpunkte gründlich berücksichtigt und verbunden werden entsteht etwas Neues. Diese ganze Arbeit basiert auf Vertrauen.
Um Konflikte konstruktiv zu bewältigen, müssen Gruppen zuerst Vertrauen etablieren. Es braucht einen sicheren Raum, wo jeder traut sich frei zu äußern und wo alle Teilnehmer ihre Sichtweisen, Bedenken, Fragen (die vielleicht auch sensible sind) einbringen können, ohne Angst haben zu müssen dafür angegriffen zu werden.
Es gibt viele Qualitäten die wichtig sind um eine gute Kommunikation zu ermöglichen, einige der wichtigsten sind Respekt, Freundlichkeit und die Fähigkeit eigene Beurteilungen zu suspendieren und mit dem Herzen zu hören.
In indigenen Kulturen wird beim Redekreis oft ein Redestab (oder eine Feder) verwendet, der von Mensch zu Mensch weitergeben wird, damit jeder die Möglichkeit bekommt sein Anliegen einzubringen ohne unterbrochen zu werden und damit jeder im Kreis gehört wird.
Das Tipi in Leutasch bietet hierfür mit seiner gemütlichen Atmosphäre einen angenehmen und geschützten Raum in der Natur und das Feuer ladet zur Achtsamkeit ein bewusst aus dem Alltag auszutreten und miteinander im Kreis zusammen zu finden, um Abstand zu gewinnen und auf neue Gedanken, Sichtweisen und Lösungen zu kommen.
DER DIALOG
Nicht nur bei indigenen Kulturen und Völker sondern auch hier in Europa, in unseren Breiten kamen einst unsere Ahnen im Kreis ums Feuer zusammen, wenn es darum ging miteinander neue Lösungen zu finden oder Konflikte zu lösen, denn unser Leben und Überleben war schon immer von unserer Fähigkeit zur kooperieren und unserer Bereitschaft von einander zu lernen abhängig. Beim Dialog handelt es sich keineswegs um eine neuzeitliche Idee.
Der Dialog ist eine Form der zwischenmenschlichen Begegnung und Auseinandersetzung sowie der Kommunikation, welche seit der frühesten Menschheit existiert und in dessen Zentrum ,,Prozesse gemeinsamer Verständnisbildung’’ stehen. Seine Tradition reicht über die griechische Agora (Marktplatz) der Antike bis hin zu Martin Buber und David Bohm (und vielen anderen wie Carl Rogers…)
Das Wort Dialog kommt aus dem griechischen und bedeutet nicht "zwei" (wie vielfach angenommen wird) sondern "durch den Logos" und kann auch ganz kurz gefasst im sinne von Martin Buber, als:
"über das du zum ich" verstanden werden.
Im sokratischen Dialog geht es darum, dass sich die an einem Gespräch beteiligten Personen als fragend bzw. nicht- wissend begreifen und darum bemüht sind, gemeinsam einer Sache näher zu kommen, um diese schließlich verstehen zu können.
Der Dialog lebt von gegenseitigem Respekt, schöpferischem Zuhören – d.h. davon, etwas auf sich wirken zu lassen – und er lebt vom sich authentisch mitteilen können.
Der Dialog unterscheidet sich deutlich von der Diskussion. In der Diskussion geht es vordergründig um das Durchsetzen der eigenen Meinung, im Dialog wird das Potenzial des anderen einbezogen.
Der Dialog lässt unterschiedliche Sichtweisen zu sowie die Gesprächspartner an den Gedanken des anderen teilhaben.
Wir versuchen, im Dialog von dem zu sprechen, was uns wirklich bewegt, und verzichten auf intellektuelle und abstrakte Abhandlungen. Wir verlangsamen den Prozess, um Wahrnehmung und Beobachtung einen hohen Stellenwert zu geben.
Die dialogische Haltung hält dazu an, uns ständig um Achtsamkeit und Präsenz zu bemühen und uns für das Wesen des anderen zu sensibilisieren, sowohl für das Wesentliche im anderen als auch für die eigenen Wahrnehmungsmuster, Urteile und Bewertungen.
Die dialogische Haltung bedeutet auch und gerade im beruflichen Kontext, bereit zu sein, sich selbst mit seinem Menschsein in die Begegnung mit dem jeweiligen Gegenüber einzubringen. Ich respektiere die Meinung des anderen – sie ist genauso wichtig wie die meinige.
Wertschätzende Kommunikation fördert das gegenseitige Verstehen, schafft Verbindung zwischen Menschen und erleichtert den Umgang miteinander. Sie prägt eine Haltung, die Abwertungen vermeidet und einen wohlwollenden Blick auf uns selber und unsere Mitmenschen ermöglicht.
Der Dialog öffnet Raum, dir selbst und anderen im Herzen zu begegnen. Respekt und Vertrauen sind die Grundlagen.
Es braucht schon Mut, deine eigenen Gefühle wahrzunehmen, deine Gedanken zulassen und deinen Herzschlag spüren, während du redest und alle anderen dich hören.
Der Dialog ermöglicht ein vielseitiges gegenseitiges Verständnis, überraschende Perspektiven und unerwartete, erstaunliche Lösungen. Er eignet sich besonders dafür, unterschiedliche Sichtweisen und Standpunkte zuzulassen und zusammenzuführen und um das gesamte Potential der Gruppe oder des Teams optimal zu nützen.
Der Dialog schafft Nähe. Angesichts wachsender Individualisierungs- und Pluralisierungsprozesse und damit verbundener Sprachbarrieren und Milieu-unterschiede kommt dem Dialog zwischen den Generationen, zwischen den Geschlechtern und zwischen den Kulturen eine große gesellschaftspolitische Bedeutung zu.
Die Sozialforschung hat deutlich gemacht, dass Ängste, Agressionen und Vorurteile gegenüber anderen Gruppen zunehmen, je weniger Sozialkontakte möglich sind. je weniger Gespräche zwischen der älteren und der jüngeren Generation, zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen stattfinden, desto mehr Konflikte und sozialer Sprengstoff entwickeln sich.
Das Betriebsklima steigt analog mit der Gesprächskultur und dem Vertrauen der Mitarbeiter untereinander und in die Betriebsleitung.
In der Tat lässt sich der Dialog als Bestandteil eines weltweiten Paradigmenwechsels betrachten. So zeichnet sich im Bildungssektor, aber auch im Management und Organisationsentwicklung, in der Psychotherapie und in Ansätzen in der Politik eine Akzent-Verschiebung von einem normativen zu einem interpretativen Weltbild ab.